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Katharina Miketta
Referentin der Rektoratbeauftragten für Bildungswege und Diversity
miketta@erz-wiss.uni-siegen.de
0271 740- 2294

Interkulturalität

Definition

Aktuell sind etwa 1.500 Studierende als sogenannte Bildungsausländer*innen aus über 100 Herkunftsländern an der Universität Siegen eingeschrieben. Menschen unterschiedlicher kultureller Prägung bringen neue Perspektiven in unseren Alltag und bereichern damit das Leben in den Seminarräumen, auf dem Campus und in der Stadt. Wir erleben den Austausch und das Zusammenleben und -arbeiten mit Menschen anderer Kulturen als „bunt“ und ihre Erkenntnisse über globale Zusammenhänge als Gewinn. Dabei ist „Internationalität" an der Universität Siegen kein Selbstzweck, sondern wesentliche Bedingung für Forschungsexzellenz.

Jedoch stellt uns der Alltag mit Menschen, die aus dem Ausland zum Studium nach Siegen kommen, bisweilen auch vor Herausforderungen.

Neben der sprachlichen Kommunikation, die nicht immer ganz reibungslos verläuft, machen sich kulturelle und soziale Unterschiede bemerkbar – oftmals driften auch die Universitäts- und Forschungskulturen weit auseinander. Die Erfahrung zeigt, dass jeder dieser ausländischen Studierenden als Einzelfall / individuell zu betrachten ist, da ihre Hintergründe hochgradig divers sind.

Jeder bringt beispielsweise einen unterschiedlichen Schulabschluss mit, hat eigene Finanzierungsmöglichkeiten für das Studium und einen Aufenthaltstitel, der an bestimmte Bedingungen geknüpft ist. Diese individuellen Faktoren muss man bei allen wesentlichen Beratungsgesprächen, z.B. bei einem Studiengangswechsel, beachten und sollte hier lieber früher als später die zuständigen Stellen (je nach Fragestellung Referat Studierendenservice, Abtl. Starting oder International Office) miteinbeziehen. Fehlinformationen können für die Studierenden gravierende Schwierigkeiten mit sich bringen.

Beispiele

1. Die Sprache

An der Universität Siegen werden Studiengänge in der Regel auf Deutsch angeboten, für die Studienbewerber*innen aus dem Ausland ausreichende Deutschkenntnisse nachweisen müssen.

Nichtsdestotrotz stellt auch nach bestandener Sprachprüfung die Unterrichtssprache in den Seminaren und Vorlesungen eine große Schwierigkeit für die ausländischen Studierenden dar. Hier sollte Nachsicht an den Tag gelegt werden; eventuell ist es sinnvoll, deutsche Studierende um Hilfe zu bitten.

Für ihr Ankommen in Deutschland und an der Universität Siegen ist es dennoch sehr wichtig, dass auch in der Alltagskommunikation Deutsch gesprochen wird. Dabei ist je nach Gesprächspartner*in darauf zu achten, langsam, deutlich und mit vereinfachtem Vokabular (oder Synonymen) zu sprechen. Oftmals sagen ausländische Studierende nicht von sich aus, wenn sie etwas nicht verstanden haben. Es hilft, freundlich nachzufragen, ob der Sachverhalt verstanden wurde. Erst wenn die Gesprächspartner*innen darum bitten, das Gespräch auf Englisch führen zu dürfen, sollte man ihnen entgegenkommen. Hier ist es wichtig, auch darauf zu achten, wie lange jemand schon in Deutschland ist. Gerade am Anfang ist der Alltag sehr anstrengend für Studierende, die neu nach Siegen kommen.

Die Universität Siegen bietet immer mehr Studiengänge in englischer Sprache an. Dies ist auf der einen Seite einfacher für die Studierenden, denn das wesentliche Ziel, der Studienabschluss, ist so leichter zu erreichen. Auf der anderen Seite macht es den Alltag für die Studierenden viel schwieriger, da sie aus eigener Motivation heraus Deutsch lernen müssten. Ihre Kommunikationsmöglichkeiten bleiben sehr eingeschränkt. Auch hier sollte man geduldig, langsam und deutlich mit den ausländischen Studierenden sprechen und nachfragen, ob alle wesentlichen Punkte verstanden wurden. Sinnvoll ist, sie zu ermuntern, einen Deutschsprachkurs im Sprachenzentrum zu besuchen. Nach wie vor ist die deutsche Sprache der wesentliche Faktor für Integration und, auch wenn die Rückkehr ins Heimatland nach Studienabschluss geplant ist, kann die Zeit bis dahin sehr lang werden, wenn selbst einfache Gespräche im Alltag nicht möglich sind.

2. Andere kulturelle Erfahrungen

Alle internationalen Studierenden bringen unterschiedliche Erfahrungen aus ihren Herkunftsländern mit nach Siegen. Was einfach klingt, bedeutet für uns jedoch häufig einen erhöhten Beratungsaufwand. Dies betrifft z.B. die Organisation ihres Alltags. In den meisten Ländern wird mit dem Studienplatz ein Zimmer im Wohnheim zur Verfügung gestellt. Daher kommen viele in Siegen an, ohne sich vorher um ein Zimmer im Studierendenwohnheim zu kümmern. Auch der Umgang mit Behörden ist unterschiedlich, dies betrifft den Besuch beim Prüfungsamt ebenso wie den bei der Ausländerbehörde. Falls das Verhalten der ausländischen Studierenden Sie verwundert, sprechen Sie sie am besten direkt darauf an, da ein Fehlverhalten manchmal nur von der einen Seite aus erkennbar ist. An der Universität leben sie noch in einem einigermaßen geschützten Raum, viele erkennen in erklärenden Gesprächen ein Hilfsangebot, das sie dabei unterstützt, sich in Deutschland einzuleben.

Hilfreich für die ausländischen Studierenden ist es beispielsweise, wenn übliche Verhaltens- und Arbeitsweisen erklärt werden. Viele haben z.B. Schwierigkeiten bei der Anrede und Formulierung von E-Mails. Wenn man die Muttersprache der Studierenden kennt, kann man oft sogar erkennen, dass die Formulierung höflich und gut gemeint war, häufig ist man jedoch irritiert oder ärgert sich sogar über die persönliche Anrede oder eine dreist formulierte Forderung. Hier ist es wichtig, nachsichtig zu sein, aber die Studierenden auf ihre Fehler aufmerksam zu machen. Gerade falsch verstandene Toleranz oder Zeitmangel wären eine verpasste Chance, wenn der Studierende nach dem Studienabschluss an eine Firma schreibt, um seine Bewerbung einzureichen, und hier immer noch die gleichen Fehler wie an der Universität macht. Dies gilt im übrigen auch für das pünktliche Erscheinen im Unterricht und die zuverlässige Abgabe von Seminararbeiten zum festgesetzten Termin – natürlich gelten in vielen Ländern bei den Themen Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit andere Standards als in Deutschland, aber es ist eine Voraussetzung für unser Zusammenleben, dass den Studierenden zumindest bekannt ist, dass Verletzungen dieser Regeln in Deutschland z.T. gravierende Folgen nach sich ziehen können. Wichtig ist dabei, dass dazu ein erklärendes Gespräch geführt wird und Entscheidungen nicht willkürlich erscheinen.

Für fast alle Herkunftsländer gilt: Schule und Universität funktionieren anders. Sie sind meist hierarchischer, Diskussionen sind nicht erwünscht und werden nicht geübt, man lernt auswendig statt einen Sachverhalt herzuleiten und Wissen anzuwenden. Geben Sie den Studierenden Zeit, sich an unser Studiensystem, an die Einheit von Forschung und Lehre und die Selbstständigkeit, die es erfordert, zu gewöhnen. Kritische Diskussionsbeiträge müssen geübt werden, gerade in einer Fremdsprache. Dabei sind
die neuen Perspektiven und die Informationen, die sie aus ihren Heimatländern mitbringen, eine enorme Bereicherung - wenn sie sich trauen, bei Ihnen frei zu sprechen. Daher die Bitte: Beobachten Sie die ausländischen Studierenden und ermuntern Sie sie, aktiv im Seminar teilzunehmen oder nach der Vorlesung eine Frage zu stellen.

3. Der Aufenthaltstitel

Studierende, die nicht aus der EU kommen, erhalten einen Aufenthaltstitel zu Studienzwecken in Deutschland. Die Ausländerbehörde hat das Recht, den Studienerfolg zu prüfen. Vorausgesetzt wird in der Regel der Erwerb von mindestens 20 ECTS pro Semester. Gerade zu Beginn des Studiums ist dies für viele Studierende aus dem Ausland schwierig, weil sie sich erst im Studium orientieren müssen. Falls Studierende besorgt zu Ihnen kommen, nehmen Sie ihre Ängste bitte ernst. Der Entzug des Aufenthaltstitels würde zu einer Ausweisung aus Deutschland führen, was verständlicherweise zu existenziellen Sorgen führt. Bitte verweisen Sie die Studierenden in kritischen Fällen an das International Office. Hilfreich ist es zudem, wenn erbrachte Leistungen möglichst zügig verbucht werden, damit die Studierenden nicht bei der Ausländerbehörde in Erklärungsnöte kommen.

Grundsätzlich möchten wir Sie bitten, die ausländischen Studierenden aufmerksam zu beobachten und sie aktiv anzusprechen, wenn Sie beobachten, dass sie sich zurückziehen, immer stiller werden und nicht mehr regelmäßig zum Unterricht erscheinen. Viele leben allein in Deutschland, haben finanzielle Sorgen und fühlen sich auch in anderen kritischen Situationen sehr allein. Wenn Sie von Problemen erfahren, verweisen Sie bitte an die weiterführenden Beratungsstellen.

Handlungsempfehlungen

  • Versuchen Sie, möglichst auf Deutsch mit den Studierenden zu kommunizieren (es sei denn, sie sind explizit in einem der englischsprachigen Studiengänge eingeschrieben).
  • Seien Sie nachsichtig und geduldig bei sprachlichen Schwierigkeiten. Fragen Sie nach, ob Sie alles richtig verstanden haben.
  • Sprechen Sie Verhaltensweisen an, die Sie verwundern oder die Sie nicht einordnen können.
  • Versuchen Sie, Ihre Verhaltens- und Arbeitsweisen zu erklären, z.B. falls ein einer E-Mail die falsche Anrede verwendet wurde. Oft ist den ausländischen Studierenden der übliche Gebrauch nicht bewusst.
  • Erklären Sie Ihre Entscheidungen, damit sie nicht willkürlich erscheinen (z.B. Ausschluss der Teilnahme am Seminar bei Unpünktlichkeit).
  • Geben Sie den Studierenden Zeit, sich an unser Studiensystem, an die Einheit von Forschung und Lehre und die Selbständigkeit, die es erfordert, zu gewöhnen.
  • Beobachten Sie die ausländischen Studierenden in Ihren Lehrveranstaltungen und ermuntern Sie sie aktiv, Fragen zu stellen oder sich an Diskussionen zu beteiligen.
  • Benoten und verbuchen Sie Studienleistungen so schnell wie möglich.
  • Wenn Sie feststellen, dass sich Studierende zurückziehen und ein Problem zu haben scheinen, sprechen Sie sie direkt an und versuchen Sie zu klären, wo sie Hilfe und Unterstützung finden können.
  • Wenn Sie von Problemen erfahren, verweisen Sie bitte an die entsprechenden Beratungsstellen.