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Katharina Miketta
Referentin der Rektoratbeauftragten für Bildungswege und Diversity
miketta@erz-wiss.uni-siegen.de
0271 740- 2294

Geschlecht

Definition

Sowohl die Identitätsbildung von Menschen als auch bestehende Geschlechterrollen sind auch Ergebnis von Sozialisation und Kultur. Im Deutschen gibt es keinen Begriff, um diese soziokulturelle Dimension zu beschreiben, weswegen man dem Englischen den Begriff Gender entnommen hat, der eine Bedeutungsdifferenzierung zwischen Geschlecht im biologischen Sinne (sex) und Geschlecht im gesellschaftlichen Sinne (gender) ermöglicht. In unserem Alltag tragen wir permanent zur Reproduktion von Gender bei, indem wir die Erwartungen, die an unser zugeschriebenes Geschlecht bestehen, durch unser Handeln unreflektiert erfüllen (Doing Gender). Gleichstellungsarbeit an der Universität Siegen nimmt im Sinne der Intersektionalität die Dimension Gender nicht isoliert in den Blick, sondern beachtet auch die Überschneidung und Wechselwirkung verschiedener Kategorien „innerhalb" einer Person (Gender, Ethnizität, Alter, Behinderung, etc.).


Die Chancengleichheit von Frauen und Männern ist in der BRD im Grundgesetz (Art. 3 (2)) festgeschrieben: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin." Überdies sind konkrete Aufgaben der Gleichstellungsbeauftragten auch im Landesgleichstellungsgesetz NRW (LGG NRW) geregelt.

Gleichstellungsmaßnahmen zielen darauf ab, Chancengleichheit herzustellen. Es gilt, die Mechanismen und Regelungen zu erkennen und zu verstehen, die zu strukturellen Ungleichheiten führen. Ein Blick auf die zahlenmäßige Geschlechterverteilung höher dotierter Positionen in einer Universität zeigt: Unter den Studierenden ist die Zahl der weiblichen Studierenden sogar höher als die ihrer männlichen Kommilitonen, ab der Stufe der Promotion nimmt der Frauenanteil bis zur Professur jedoch kontinuierlich ab. Die Chancen von weiblichen Personen, eine wissenschaftliche Karriere oder eine Leitungsposition zu erreichen, fallen offenbar geringer aus – und das trotz hervorragender Bildungsabschlüsse und der Motivation, sich beruflich zu verwirklichen. Viele hochqualifizierte Frauen schaffen es in ihrer Karriere aufgrund struktureller Diskriminierung nicht über die mittlere Verantwortungsebene hinaus.

Die Gleichstellungsbeauftragte unterstützt die Universität bei der Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern an der Hochschule. Dabei wirkt sie insbesondere auf die Umsetzung von Gender Mainstreaming (eine Verfahrensweise, die an den Entscheidungsprozessen ansetzt), auf den Abbau bestehender struktureller Benachteiligungen von Frauen aller Statusgruppen sowie auf eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Studierende und Beschäftigte hin.

Studierende, Lehrende und Beschäftigte der Universität Siegen können sich bei Beratungsbedarf oder Diskriminierungserfahrungen jederzeit an das Büro der Gleichstellungsbeauftragten wenden.

Beispiele

  • Mangelndes Bewusstsein für verschiedene Facetten von Diversität
  • Ungleichbehandlung/Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Alter, (sozialer) Herkunft, Behinderung, sexueller Identität, etc.
  • Unterschiedlicher Anteil von weiblichen/männlichen Studierenden/ Lehrenden je nach Fachkulturen
  • Sexistische Äußerungen und (Re-)Konstruktion von Geschlechterrollen in Seminaren
  • Niedriger Bekanntheitsgrad/Nicht-Beachtung von weiblichen Wissenschaftlerinnen (z.B. durch Verwendung wissenschaftlicher Texte von ausschließlich männlichen Autoren)
  • Ausschließliche Verwendung der männlichen Form in (An-)Sprache und Text

Handlungsempfehlungen

Aktive Dekonstruktion von Geschlechterstereotypen und -rollen
In Übungsaufgaben und Klausuren kann eine genderbewusste Aufgabenstellung dabei helfen, bestehende Geschlechterstereotypen zu hinterfragen und dafür sorgen, dass sich alle Geschlechter gleichermaßen von den Aufgaben angesprochen fühlen.


Abbau bestehender Rollenklischees
Für die Unterstützung bei Technikproblemen sollten z.B. nicht in erster Linie männliche Studierende um Hilfe gebeten, sondern gleichermaßen alle Geschlechter angesprochen werden.

Genderbewusste Gestaltung der Lehre durch didaktische Vielfalt
Unterschiedliche Lerntypen erfordern unterschiedliche Lernformate und didaktische Methoden.

Genderbewusste Rezeption von Texten sorgt für Vorbilder
Die Rezeption wissenschaftlicher Texte von nicht nur männlichen, sondern auch weiblichen Autor*innen schafft ein Verständnis für wissenschaftliche Vielfalt und diverse Vorbilder.

Geschlechtergerechter Sprachgebrauch
Studien zeigen, dass durch den Gebrauch der männlichen UND weiblichen Form oder auch von gegenderten Mehrzahlformen (z.B. Verwendung von Binnen-I, Unterstrich_ oder Asterisk*) nach der Rezeption entsprechender Texte eher an alle Geschlechter gedacht wird. 

Integration von Genderaspekten in Forschung und Lehre
Die Integration von Genderaspekten in Forschungsdesigns kann wertvolle und innovative gesellschaftsrelevante Ergebnisse hervorbringen. Mögliche Fragen könnten sein:

  • Schließt die Forschungsfrage ein Geschlecht aus, obwohl die Ergebnisse für alle Geschlechter anwendbar sein/gelten sollen?
  • Nimmt das Forschungsdesign alle Geschlechter in den Blick (Hauptvariablen, Themenfelder, verschiedene Situationen)?
  • Werden die Daten gendersensibel erhoben?
  • Werden die Daten differenziert analysiert und präsentiert?

Abfrage von (sexistischer) Diskriminierungserfahrung in der Lehrevaluation
Um Kenntnis zu erlangen über bzw. das Bewusstsein zu schärfen für mögliche (sexistische) Diskriminierungserfahrungen in Lehrveranstaltungen, kann die Lehrevaluation um eine entsprechende Frage erweitert werden.

Angebote des Gleichstellungsbüros wahrnehmen und weiterempfehlen
Die Gleichstellungsbeauftragte und das Team des Gleichstellungsbüros bieten Beratung und Unterstützung bei Erfahrungen mit Mobbing, (sexistischer) Diskriminierung bzw. (sexueller) Belästigung. Außerdem werden vielfältige Trainings zu persönlichkeitsbildenden Themen für Mitarbeitende und Studierende angeboten (z.B. Gender- und Diversity-Sensibilisierung, Umgang mit Macht, Empowerment, etc.).

www.uni-siegen.de/gleichstellung